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Norwegen für Kunstliebhaber

Norwegen ist vor allem für seine Natur bekannt. Weniger bekannt ist, wie stark Kunst, Architektur und Design im Alltag und im Landschaftsbild des Landes verankert sind – oft jenseits klassischer Museen.
4 Min. LesezeitAktualisiert: 15. Jan. 2026Von: Das Fjord Tours-Team
Moderne Architektur über einem Fluss, mit wellenartigem Design, großen Glasfenstern und Reflexion im ruhigen Wasser.
Ob Sie eine Reise planen oder sich einfach für skandinavische Kunst und Kultur interessieren – Norwegen bietet weit mehr als klassische Museumsbesuche. Kunst begegnet Ihnen hier im Stadtraum, in der Landschaft und oft genau dort, wo man sie nicht erwartet.

Wofür ist Norwegen in der Kunst bekannt?

Edvard Munch ist ohne Zweifel Norwegens bekanntester Künstler. Sein Werk, allen voran Der Schrei, gehört zu den eindrucksvollsten Bildern der Moderne. Geboren 1863, wuchs Munch im damaligen Kristiania auf – dem heutigen Oslo. Die Stadt, ihre Atmosphäre und seine persönlichen Erfahrungen mit Krankheit, Verlust und innerer Unruhe prägten sein künstlerisches Schaffen nachhaltig. Seine Bilder sind emotional, direkt und oft unbequem – und genau darin liegt ihre anhaltende Kraft.
Der Schrei von Edvard Munch, mit einer verzerrten Figur, die Angst vor einem wirbelnden Himmel ausdrückt.
Doch die norwegische Kunstgeschichte beginnt nicht mit Munch. Ihre Wurzeln reichen bis in die Steinzeit zurück. Felsritzungen und prähistorische Bilddarstellungen zeugen davon, dass künstlerischer Ausdruck hier seit Jahrtausenden Teil des menschlichen Lebens ist. In Alta, nördlich des Polarkreises, befindet sich die größte Sammlung prähistorischer Felskunst in Nordeuropa – ein eindrucksvoller Ort, an dem Geschichte, Landschaft und Kunst aufeinandertreffen. Gleichzeitig ist die Region heute Heimat einer lebendigen zeitgenössischen Kunstszene mit arktischem Bezug.
Frau im gelben Pullover blickt aus grünem Zugfenster auf herbstliche Landschaft.

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Rosemalerei und Landschaftskunst – ein norwegisches Erbe

Im 18. Jahrhundert entwickelte sich mit der Rosemalerei eine eigenständige norwegische Volkskunstform. Florale Ornamente schmückten Wände, Decken, Möbel und Alltagsgegenstände – besonders in ländlichen Regionen. Bis heute finden sich diese Muster in vielen Teilen des Landes, etwa im Numedal oder in der Stabkirche von Uvdal.
Nach den Napoleonischen Kriegen gewann auch die Landschaftsmalerei zunehmend an Bedeutung. Künstler wie Johan Christian Dahl legten den Grundstein für eine klassische Bildsprache, die später von Malern wie Nikolai Astrup weiterentwickelt wurde. Bei Astrup wird die Landschaft nicht nur dargestellt, sondern interpretiert – als Stimmungsraum, als Erzählung, manchmal fast als Traum.
Rosemalerei-Raum im Telemark Museum mit vollständig dekoriertem Interieur.

Kunst und Design in außergewöhnlichen Landschaften

Unweit von Oslo liegt Kistefos – ein Ort, an dem zeitgenössische Kunst, Architektur und Industriegeschichte miteinander verschmelzen. Die preisgekrönte Museumsarchitektur „The Twist“ ist längst zu einem internationalen Referenzprojekt geworden. Umgeben von Wald und Flusslandschaft verbindet das Gelände wechselnde Kunstausstellungen mit einer Skulpturenlandschaft im Freien.
Transparente Skulptur, die einem riesigen Glas ähnelt, umgeben von Bäumen und einem glatten Kiesweg, der eine friedliche Atmosphäre schafft.
In derselben Region befindet sich das Hadeland Glassverk, Norwegens ältester Industriebetrieb mit kontinuierlicher Produktion. Hier treffen handwerkliche Traditionen auf modernes Design. Neben Glasbläserei und Produktentwicklung bietet das Areal Ausstellungen, Veranstaltungen und ein lebendiges kulturelles Umfeld – eingebettet in eine historische Umgebung.
Munch-Museum mit modernem, kantigem Design, Glasfenstern und großem "MUNCH"-Schild, das sich im ruhigen Wasser bei Sonnenuntergang spiegelt.

Wo erlebt man Kunst in Oslo?

Oslo hat sich in den letzten Jahren deutlich als Kunst- und Kulturstadt positioniert. Das MUNCH Museum versammelt die weltweit größte Sammlung von Edvard Munchs Werken und ergänzt sie durch zeitgenössische Ausstellungen. Nur wenige Schritte entfernt befindet sich das neue Nationalmuseum – das größte Kunstmuseum der nordischen Länder –, in dem Kunst, Architektur und Design gemeinsam präsentiert werden.
Doch Kunst in Oslo beschränkt sich nicht auf Innenräume. Im öffentlichen Raum ist sie allgegenwärtig. Der Vigeland-Park ist dafür das bekannteste Beispiel: Über 200 Skulpturen von Gustav Vigeland formen hier eine monumentale Gesamtanlage, die zugleich Kunstwerk und öffentlicher Park ist – genutzt von Besuchern wie von Einheimischen.
Vigeland-Skulpturenpark mit großer Treppe, Skulpturen und Besuchern, die die Kunst unter teils bewölktem Himmel bewundern.

Kunst jenseits der Hauptstadt

Entlang der berühmten Bergenbahn liegen mehrere kulturelle Zentren. In Bergen laden die KODE Museen dazu ein, Kunst, Design, Kunsthandwerk und Musikgeschichte an einem Ort zu entdecken. Die Sammlungen verteilen sich auf mehrere Museumsgebäude sowie auf die ehemaligen Wohnhäuser bedeutender norwegischer Komponisten. Zusammen ergeben sie einen der vielseitigsten Kulturräume der nordischen Länder.
Ålesund wiederum ist ein einzigartiges Beispiel für Jugendstilarchitektur in Nordeuropa. Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1904 wurde die Stadt vollständig neu aufgebaut – inspiriert vom europäischen Jugendstil und von organischen Formen aus der Natur. Das Ergebnis ist ein bemerkenswert geschlossenes Stadtbild, das sich besonders eindrucksvoll vom Wasser aus erleben lässt.
Eine Gruppe von Kajakfahrern in gelben und roten Kajaks paddelt auf ruhigem Wasser mit historischen Gebäuden, einem Segelboot und einem teilweise bewölkten Himmel in einer Küstenstadt.

Street Art – Kunst außerhalb der Museen

Neben Museen und Institutionen hat sich in Norwegen eine lebendige Street-Art-Szene etabliert. Gebäude, Fassaden und unerwartete Flächen werden zu Leinwänden für großformatige Werke. Die Kunst ist oft frei zugänglich, im Alltag verankert und eng mit dem Ort verbunden.
Städte wie Oslo, Bergen, Stavanger und Bodø sind für ihre Street Art bekannt. Doch auch abseits der urbanen Zentren findet man eindrucksvolle Beispiele. Auf den Lofoten etwa hat das Kunstprojekt Ghetto Spedalsk leerstehende Gebäude in monumentale Kunstwerke verwandelt – mitten in der dramatischen Landschaft der Inselgruppe.
Straßenkunst an einer Betonwand mit drei schwarz-weißen Porträts, bei denen Moos als Haar und Bart verwendet wird.

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